Der Bücherfresser

Prolog

Er rannte. Er rannte um sein Leben. Der eisige Wind schlug ihm
ins Gesicht und trieb Tränen in seine Augen, die wie ein kleines
Rinnsal über seine dreckverschmierten Wangen liefen. Das
trockene Laub knisterte unter seinen Füßen. Sein Atem blieb in einer weißen eisigen Wolke in der Luft hängen, wie der Rauch
einer der alten Dampfloks, die sein Vater so geliebte hatte.
Wieso verfolgten sie ihn?
Er rannte den Feldweg hinauf, stolperte und fiel auf die Knie.
Ein stechender Schmerz fuhr in seinen Körper und
raubte im für einige Sekunden lang den Atem. Rauben. Rauben, wie eine Elster, ging es im durch den Kopf.
Er rappelte sich wieder auf. Sie waren ganz nah. Er spürte es. Sein Lungen fiepten. Wieder erinnerte er sich an seinen Vater. Wieso dachte er jetzt gerade an ihn?
Rauben. Vielleicht wollten sie ihm das Leben rauben, wie in
dem Märchen das sein Vater ihm als kleiner Junge sooft vorgelesen hatte. Wie hieß es noch gleich? Die Erinnerrungen an seine Vater
schwanden immer mehr.
Aber er war kein kleiner Junge mehr. Er war vierzehn  Jahre alt, hieß Jonatahn ,hatte keinen Vater mehr und würde sich den Geistern die ihn verfolgten stellen.
Wieder eine Geschichte. Wenn es doch nur so wäre. Verflixt, er verlor sich ständig in Gedanken. Sie kamen immer näher.
Felder, Wiesen, Bäume. Kein einziges Haus, kein noch so kleines Dorf, in das er sich flüchten konnte. Er wusste noch nicht ein mal wo er war. Wie sollte er sich da zurechtfinden? Mein Gott, was war das für eine einsame Gegend? Keuchend blieb er stehen. Wohin?
Plötzlich überkam ihn ein eiskalter Schauer. Es wurde dunkel. Kälte. Nichts als Kälte und Dunkelheit. Sie hatten ihn eingeholt.

1. Kapitel

Der Regen fiel prasselnd auf den grauen Asphalt. Jonathan blickte in den ebenfalls grauen Himmel, dort wo die Wolken wie dunkle vollgesogene Schwämme im Wasser hingen. Er blickte wieder auf die Straße, um gerade rechtzeitig einem Radfahrer auszuweichen, der es eilig hatte nach Hause zu kommen.
Es brachte nichts sich hinter einer Wand aus Träumen zu verstecken. Irgendetwas brachte ihn dann doch wieder in die Wirklichkeit zurück.
Wieso schaffte er es nicht sich ihr zu stellen? Wieso konnten das all die Anderen? All die Kinder, deren Väter ausgezogen wahren, um zu retten, was noch zu retten war.
Es waren keine guten Zeiten, nicht für ein Kind in seinem Alter. Die Dunklen Männer nahmen sie alle mit, um sie in ein fremdes Land, oder sogar in eine andere Welt zu bringen. Man erzählte sich viel über diese Männer, woher sie kamen und was sie mit den gestohlenen Kindern machten.
Auch in seinem Dorf waren sie. Seit Gestern war es gefährlich geworden, alleine vor die Tür zu gehen. Die sonst so belebten Straßen waren leer und grau. Alle hatten die Türen und Fensterläden fest verschlossen. Der beißende Angstgeruch erfüllte die Luft und machte das Atmen schwer.
Wieso war er hier?
Er hatte hier nichts zu suchen.
Es gab nur diesen einen Grund, der ihn hier her geführt hatte.
Nein, er wollte nicht daran denken. Nicht jetzt.
Langsamer als zuvor ging er weiter. Nun zögerte er doch. Verdammt, das schlechte Gewissen machte sich jetzt schon in ihm breit, genau das, wovor er angst gehabt hatte. Die Stimme seiner Mutter und die seiner Schwester, warnten ihn weiter zu gehen.
Er blickte in die alte, mit windschiefen Häusern bestückte Gasse, die sich vor ihm auf tat. Sie sah nicht sehr einladend aus, mit ihrem dunklem, engem Weg, der aus mittlerweile sehr kaputten Flasterstein bestand. Als er die Gasse betrat, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Er zuckte zusammen, als er auf ein altes Stück Papier trat. Jonatahn bückte sich, um das vom Regen aufgeweichte Papier auf zu heben. Es war eine Zeitung. Auf dem Titelblatt las er:

Kind verschwunden
Der 9-jährige Paul-Eduard (Sohn des Bürgermeisters) verschwand gestern Nachmittag etwa gegen 4 Uhr spurlos.
Der Herr Bürgermeister berichtete in einem Interw persönlich: „Der arme Junge war gestern Nachmittag beim Tennis. Doch er kam nicht zu der gewöhnlichen Zeit nach Hause“
Beide Eltern sind ganz krank vor Sorge un ihren kleinen Sohn. Der Polizeipräsident bittet um sofortige Anzeige, wenn es Hinweise über den Verbleib von Paul-Eduard gibt.

 

 

Jonathan blickte auf und ließ die Zeitung sinken. Vor fünf Monaten musste es geschehen sein. Es waren vorher schon weitere Kinder verschwunden, alle zwischen neun und sechzehn Jahren. Etwa die kleine Elly aus seiner Schule. Aber es interessierte ja keinen, was mit einem Waisenkind passierte! Es ärgerte ihn, dass alle nur den Sohn des Bürgermeisters dachten. Jonathan hatte sie gern gehabt, die kleine Elly, mit ihren blonden Engelslöckchen hatte sie ihn an seine eigene kleine Schwester. Greta.
Was sie wohl gerade tat? Saß sie zu Hause mit ihrer Mutter und wartete, dass er endlich zurück kam und mit ihr spielte?
Nein, er würde nicht umkehren. Noch nicht.
Sie musste sich noch ein Wenig warten.
Ob er überhaupt zurück kehren würde? „Hör auf!“, holte er sich selbst in die Gegenwart zurück. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er stehen geblieben war.

***

Die unendliche Geschichte. Ja, sehr gut. Das wird ihm gefallen. Vielleicht konnte er ihn so noch etwas bei Laune halten.
Hoffentlich, sonst musste er sich wieder einmal eine Geschichte aus den Rippen schneiden.

***

 

 

„Still!“, eine dreckverschmierte Hand schnellte vor, fest auf Jonathans Mund und zog ihn nach hinten.

 

Ich hoffe die Geschichte gefällt euch soweit, ich habe schon eine Fortsetzung geschrieben und werde sie noch diese Woche reinstellen. Wenn ihr Fragen, Kritik oder Anregungen habt, lasst es mich bitte wissen und schreibt es in die Kommentare oder eine Email (Meine Emailadresse findet ihr auf der „About me“ Seite)

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